Wie Ärzt*innen, Heilpraktiker*innen und Therapeut*innen die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in ihrer Praxis einsetzen

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) boomt in Europa. Begriffe wie “Akupunktur” oder “Moxibustion” sind längst keine Fremdwörter mehr. Immer mehr Patient*innen sind auf der Suche nach alternativen und komplemantären Behandlungsansätzen – sei es bei einfachen akuten Beschwerden oder bei chronischen Erkrankungen.

Das Ziel einer TCM-Behandlung ist es, ein präzises ganzheitliches diagnostisches Bild zu erstellen, um eine effiziente Therapie einleiten zu können. Wie das in der Praxis funktioniert, möchten wir anhand eines Beispiels zeigen:

Eine Migräne-Patientin leidet seit über 10 Jahren an heftigen Migräneattacken, die von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Diese Kopfschmerzen dauern häufig 2 bis 3 Tage an. Der Hausarzt verschreibt Betablocker, die neuen Studien zufolge sehr gut bei Kopfschmerz-Patient*innen anschlagen. Als unser Migräne-Patientin auch hier keine signifikante Verbesserung ihrer Beschwerden feststellen kann, sucht sie die Hilfe eines TCM Therapeuten auf. Neben einem ausführlichen Gespräch erstellt der Therapeut seine Diagnostik mittels Puls-, Zungen- und Gesichtsmerkmalen.

Einmal pro Woche kommt die Patientin nun zur Akupunktur und nimmt zusätzlich chinesische Kräuter ein. Auch soll sie auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten, wie z.B. ihren geliebten Milchkaffee.  Bereits nach 8 Wochen geht es der Patientin deutlich besser, sodass die Therapie reduziert wird. Bei starken Wetterveränderungen oder Stress neigt sie immer noch zu Kopfschmerzen, aber die Symptome sind bei Weitem nicht mehr so ausgeprägt wie damals.

Viele Patient*innen stoßen bei ihren Recherchen nach alternativen Behandlungsmethoden auf die Traditionelle Chinesische Medizin. Doch was steckt hinter dieser Medizin, die mit Akupunktur, bitter schmeckenden Kräuter-Abkochungen und Ernährungsempfehlungen therapiert? Ist das nicht alles nur Hokuspokus und kann sie der westlichen Medizin gegenüber standhalten? 

TCM versus Schulmedizin – zwei konkurrierende Medizinmodelle?

Die Antwort hierzu ist kurz und bündig: Nein! Dennoch entsteht in Europa häufig der Eindruck zwei verfestigter Fronten. Auf der einen Seite jene, für die die Schulmedizin nur „Chemie“ und „böse“ ist und nur auf Natur- und Kräutertherapie schwören, auf der anderen Seite jene, die der Ansicht sind, jede alternative Therapieform sei „Hokuspokus“ und nur die westliche Medizin könne wahre und nachhaltige Erfolge erzielen.  Diese Konkurrenz ist unnötig und schadet sich sogar selbst.

Die TCM ist vor über 2000 Jahren in China entstanden – zu einer Zeit als auch in Europa die wissenschaftliche Kenntnis noch in den Kinderschuhen steckte. Statt das alte Wissen zu verwerfen (auch wenn zur Zeit der Kulturrevolution genau dies versucht wurde), haben es die Chinesen geschafft, beide Medizinmodelle mit gegenseitigem Respekt voreinander und ohne jegliche Konkurrenz in ihre Gesellschaft zu integrieren.

In traditionellen chinesischen Krankenhäusern werden Patient*innen mit einer Selbstverständlichkeit mit einer Kombination aus chinesischen Kräutern, Akupunktur und schulmedizinischen Medikamenten versorgt, von der wir hier noch weit entfernt sind. Konkurrenz zwischen den Systemen finden Sie dort genau so wenig wie esoterisch angehauchte Behandlungszimmer mit Buddhstatue und Räucherstäbchen. Jede TCM Therapeut*in, die ein Praktikum in China absolviert hat, weiß wie bodenständig, fleißig und akribisch genau die Chinesen arbeiten. Statt also in dualistischem und konkurrierendem Denken zu verharren, sollten wir uns über die Ressourcen beider Systeme freuen und versuchen, sie bestmöglich miteinander zu verknüpfen.

Akupuntur in der TCM

Worin unterscheidet sich die TCM von der Schulmedizin?

Kommen wir zurück auf unsere Migräne-Patientin. In der Schulmedizin werden durchaus verschiedene Arten von Kopfschmerzen unterschieden und es erfolgt eine Einteilung in Spannungs-, Cluster-, Migräne und noch viele andere Kopfschmerzarten. Die Therapie und Diagnostik erfolgt nach klassischen Schemen und Leitlinien. So ist es bei langanhaltenden Kopfschmerzen sehr wichtig mittels MRT einen Hirntumor oder eine zerebrale Blutung auszuschließen. Spezifische Medikamente wie Triptane finden bei Migräne und Clusterkopfschmerzen ihre Anwendung.

Grundsätzlicher Ansatz der Schulmedizin ist es hier, eine bösartige oder lebensbedrohliche Ursache auszuschließen und den Schmerz so effektiv wie möglich zu therapieren. Der Ansatz in der TCM ist hier etwas anders.

Die TCM geht davon aus, dass eine Erkrankung einem Baum mit Wurzeln und Zweigen gleicht. Die Zweige entsprechen hier dem Symptom (Kopfschmerzen) und die Wurzeln der Ursache der Erkrankung. Natürlich ist das Ziel auch hier die Patient*innen von ihren Schmerzen zu befreien, jedoch unterscheidet die TCM zwischen unglaublich vielen verschieden Ursachen von Kopfschmerzen. Ausgangspunkt bildet immer die mittels präziser Diagnose ermittelte Grundkonstitution der Patient*in sowie die Klärung der Frage,  wo und wie dieses energetische Ungleichgewicht entstanden ist, das die  Kopfschmerzen verursacht.

Die TCM Therapeut*in sammelt diese Informationen mittels Gespräch, Puls-, Zungen- und Gesichtsdiagnose und erstellt damit ein detailliertes energetisches Bild. Dieses sollte bei ausreichend Kenntnissen dazu befähigen, einen Therapieplan zu erstellen der beides – Ursache und Symptome – behandelt.

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Was bedeutet dies in der Praxis?

Unsere Patientin litt an starker Übelkeit und Erbrechen, die ihre Migräneattacken begleiteten. Nachdem sich ihr TCM Therapeut vergewissert hat, dass schulmedizinisch alles ausreichend abgeklärt wurde, konnte er durch oben genannte Methoden feststellen, dass ihres Migräne durch massive Anspannung und dadurch entstehenden „Stau“ von Energie (Qi) entsteht. Bildlich kann man sich hier einen Stau auf der Autobahn vorstellen. Der freie Energiefluss ist gestört. Solange nur etwas Stau oder stockender Verkehr herrscht, gibt es kaum Probleme, sobald aber ein Auto mit Vollgas in diesen Stau hineinfährt fängt ein Auto Feuer. Unsere Patientin neigt allein von ihrem Grundtypus zu dieser Stau-Bildung. Das kann man nun ungerecht finden, tatsächlich gehen wir in der TCM aber davon aus, dass jeder eine ganz individuelle Grundkonstitution mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen hat. Dies lässt häufig auch andere Symptome, die vielleicht gar nicht so im Vordergrund stehen erklären. Steht unsere Migräne-Patientin massiv unter Stress oder ist sehr erschöpft, entwickelt sich in dieser Stagnation von Energie Hitze, die aufsteigt und schlimme Kopfschmerzen verursacht. Um sich zu entspannen isst sie gerne Süßigkeiten. Dies führt mit der Zeit dazu, das sich aus Sicht der TCM im Körperinneren Schlacken bilden, die nicht nur breite Hüften verursachen, sondern auch die Übelkeit erklären, die während einer Migräneattacke einsetzen.

Der Therapeut wird die „Zweige“ der Erkrankung mittels spezieller Akupunkturpunkte behandeln, welche die aufsteigende Hitze und Übelkeit beruhigen. Gleichzeitig wird er der Patientin jedoch auch eine Kräuterrezeptur verschreiben, die hilft, die Energie (das Qi) zu entspannen, den Verdauungstrakt zu stärken und Schlacken auszuleiten. Die ganze Therapie ist nicht effektiv, wenn die Patientin alle ihre Alltagsgewohnheiten beibehält und so gehört eine Lebensstil- und Ernährungsberatung zum ganzheitlichen Behandlungskonzept mit dazu. Die Patientin musste ein paar Dinge in ihrer Ernährung umstellen und hat mit Unterstützung ihres Therapeuten gelernt ihr Leben so umzugestalten, dass weniger „Spannungen“ herrschen. So konnte die Frequenz der Kopfschmerattacken von wöchentlich auf alle 2-3 Monate reduziert werden.

Traditionelle Chinesische Medizin diagnostiziert rational und präzise

Die chinesische Medizin hat also nichts mit Esoterik gemein. Die Herangehensweise ist sehr rational und präzise. In der Diagnose werden die einzelnen Symptome zu einem Bild zusammengefügt. Durch die Betrachtung der Gesamtheit erkennen wir die Wurzel der Krankheit, die neben den Symptomen behandelt wird. Dadurch ergibt sich eine Behandlungsstrategie, die beide Ansätze miteinander verbindet. Das Ziel ist daher die Heilung von Körper, Geist und Seele und nicht das ausschließliche Behandeln von Symptomen. Wie im Beispiel unserer Migräne-Patientin sind für viele diese Ansätze der chinesischen Medizin erst einmal neu, aber sehr schnell einleuchtend und logisch. Vielen Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden wie Heuschnupfen, Bluthochdruck, chronischen Schmerzsyndromen u.v.m kann mit der TCM geholfen werden. Durch die genaue differentialdiagnostische Abklärung konnte ein individueller Ansatz in der Behandlung gefunden werden. Rückblickend ist unsere Patientin sehr froh diesen neuen Weg eingeschlagen zu haben.

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