Was ist dran an der Chinesischen Medizin?

So setzen Ärzte, Heilpraktiker und Therapeuten TCM in Ihrer Praxis ein.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) boomt in Europa. Begriffe wie Akupunktur oder Moxibustion sind längst keine Fremdwörter mehr. Immer mehr Patienten suchen, sei es bei einfachen akuten Beschwerden, wie auch bei chronischen Erkrankungen, alternative und komplementäre Behandlungsansätze. Bei einer TCM Behandlung werden nicht nur einzelne Symptome getrennt voneinander betrachtet – das Ziel ist immer ein präzises ganzheitliches diagnostisches Bild zu erstellen um eine effiziente Therapie einleiten zu können.   So auch bei Migräne-Patientin Gerda Schmidt (Name geändert). Seit über 10 Jahren leidet Gerda mindestens einmal die Woche an heftigen Migräneattacken begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Häufig sind die Kopfschmerzen nicht nur für einen Tag vorhanden, sondern ziehen sich über 2-3 Tage. Die Einschränkungen die Frau Schmidt durch diese Belastung hat kann man sich leicht vorstellen. Klassische Migräne-Medikamente halfen nicht. Vor kurzem hat sie von Ihrem Hausarzt Betablocker verschrieben bekommen, diese sollten nach neuen Studien sehr gut bei Patienten mit Kopfschmerzen anschlagen. Leider konnte Frau Schmidt auch hier keine signifikante Verbesserung ihrer Beschwerden feststellen. Als Frau Schmidt verzweifelt vor 6 Monaten eine TCM Praxis betritt ist vieles Neuland für sie. Neben einem ausführlichen Gespräch erstellt der Therapeut seine Diagnostik mittels Puls-, Zungen- und Gesichtsmerkmalen. Einmal pro Woche kommt sie nun zur Akupunktur und nimmt zusätzlich chinesische Kräuter ein. Auch auf gewisse Nahrungsmittel zu verzichten, wie z.B. ihr geliebter Milchkaffee, weist sie ihr Therapeut hin. Nach 8 Wochen geht es Gerda deutlich besser, sodass die Therapie reduziert wird. Bei starken Wetterveränderungen oder viel Stress neigt sie immer noch zu Kopfschmerzen, aber die Symptome sind bei Weitem nicht mehr so ausgeprägt wie damals. Viele Patienten stoßen bei Ihren Recherchen nach alternativen Behandlungsmethoden auf die Traditionelle Chinesische Medizin. Doch was steckt hinter dieser Medizin die mit Akupunktur, bitter schmeckenden Kräuter Abkochungen und Ernährungsempfehlungen Patienten therapiert. Ist das nicht alles nur Hokuspokus und kann sie der westlichen Medizin gegenüber standhalten?

TCM versus Schulmedizin – zwei konkurrierende Medizinmodelle?

Die Antwort hierzu ist kurz und bündig: Nein!   Dennoch entsteht in Europa häufig der Eindruck zwei verfestigter Fronten: die Einen, die meinen Schulmedizin sei nur „Chemie“ und „böse“ und nur Natur- und Kräutertherapie sei gut, sowie die Anderen, die umgekehrt der Ansicht sind, dass jede alternative Therapieform „Hokuspokus“ sei und nur die westliche Evidence Based Medicine wahre und nachhaltige Erfolge erzielen kann. Diese Konkurrenz ist nicht nötig und schadet sich sogar selbst. Die TCM ist vor über 2000 Jahren in China entstanden – zu einer Zeit als auch in Europa die wissenschaftliche Kenntnis noch in den Kinderschuhen steckte. Statt das alte Wissen zu verwerfen (auch wenn zur Zeit der Kulturrevolution genau dies versucht wurde), haben es die Chinesen geschafft beide Medizinmodelle – die westliche Schulmedizin, wie auch die TCM mit gegenseitigem Respekt und ohne jegliche Konkurrenz in ihre Gesellschaft zu integrieren. In traditionellen Krankenhäusern werden Patienten mit einer Selbstverständlichkeit mit einer Kombination aus chinesischen Kräutern, Akupunktur und schulmedizinischen Medikamenten versorgt von der wir hier noch weit entfernt sind. Konkurrenz zwischen den Systemen finden sie dort genau so wenig wie esoterisch angehauchte Behandlungszimmer mit Buddha Statue und Räucherstäbchen. Jeder TCM Therapeut, der ein Praktikum in China absolviert hat, weiß wie bodenständig, fleißig und akribisch genau die Chinesen arbeiten.   Statt also in dualistischem und konkurrierendem Denken zu verharren freuen wir uns über die Ressourcen beider Systeme und versuchen sie bestmöglich mit einander zu verknüpfen.

Wie unterscheiden sich beide Systeme?

Kommen wir zurück auf Gerda Schmidt mit ihren Kopfschmerzen. In der Schulmedizin werden durchaus verschiedene Arten von Kopfschmerzen unterschieden und es erfolgt eine Einteilung in Spannungs-, Cluster-, Migräne und noch viele andere Kopfschmerzarten. Die Therapie und Diagnostik erfolgt nach klassischen Schemen und Leitlinien. So ist es bei langanhaltenden Kopfschmerzen sehr wichtig mittels MRT einen Hirntumor oder eine zerebrale Blutung auszuschließen. Spezifische Medikamente wie Triptane finden bei Migräne und Clusterkopfschmerzen ihre Anwendung. Grundsätzlicher Ansatz der Schulmedizin ist es hier eine bösartige oder lebensbedrohliche Ursache auszuschließen und den Schmerz so effektiv wie möglich zu therapieren. Der Ansatz in der TCM ist hier etwas anders. Die TCM geht davon aus, dass eine Erkrankung einem Baum gleicht – mit Wurzeln und Zweigen. Die Zweige entsprechen hier dem Symptom (Kopfschmerzen) und die Wurzeln der Ursache der Erkrankung. Natürlich ist das Ziel auch hier den Patienten von seinen Schmerzen zu befreien, jedoch unterscheidet die TCM zwischen unglaublich vielen verschieden Ursachen von Kopfschmerzen. Ausgangspunkt bildet immer die mittels präziser Diagnose ermittelte Grundkonstitution des Patienten in Kombination damit herauszufinden wo und wie dieses energetische Ungleichgewicht entstanden ist die ihn überhaupt anfällig machen für Kopfschmerzen. Der TCM Therapeut sammelt diese Informationen mittels Gespräch, Puls-, Zungen- und Gesichtsdiagnose und erstellt damit detailliertes energetisches Bild. Dieses sollte ihm bei ausreichend Kenntnissen dazu befähigen einen Therapieplan zu erstellen der beides – Ursache und Symptome – behandelt.

Was bedeutet dies in der Praxis?

  Frau Schmidt litt an starker Übelkeit und Erbrechen die ihre Migräneattacken begleiteten. Nachdem sich ihr TCM Therapeut vergewissert hat, dass schulmedizinisch alles ausreichend abgeklärt wurde, konnte er durch oben genannten Methoden feststellen, dass Gerdas Migräne durch massive Anspannung und dadurch entstehenden „Stau“ von Energie (Qi) entsteht. Bildlich kann man sich hier einen Stau auf der Autobahn vorstellen. Der freie Energiefluss ist gestört. Solange nur etwas Stau oder stockender Verkehr herrscht gibt es nicht viele Probleme, sobald aber ein Auto mit Vollgas in diesen Stau hineinfährt fängt ein Auto Feuer. Frau Schmidt neigt allein von ihrem Grundtypus zu dieser Stau Bildung. Das kann man nun ungerecht finden, tatsächlich gehen wir in der TCM aber davon aus, dass jeder eine ganz individuelle Grundkonstitution mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen hat. Dies lässt häufig auch andere Symptome, die vielleicht gar nicht so im Vordergrund stehen erklären. Steht Gerda massiv unter Stress oder ist sehr erschöpft entwickelt sich in dieser Stagnation von Energie Hitze die aufsteigt und schlimme Kopfschmerzen verursacht. Um sich zu entspannen isst Frau Schmidt gerne Süßigkeiten. Dies führt mit der Zeit dazu das sich aus Sicht der TCM im Körperinneren Schlacken bilden die nicht nur breite Hüften verursachen, sondern auch die Übelkeit erklären während einer Migräneattacke. Der Therapeut wird die „Zweige“ der Erkrankung mittels spezieller Akupunkturpunkte behandeln, welche die aufsteigende Hitze und Übelkeit beruhigen. Gleichzeitig wird er Frau Schmidt jedoch auch eine Kräuterrezeptur verschreiben, die hilft die Energie (das Qi) zu entspannen, den Verdauungstrakt zu stärken und Schlacken auszuleiten. Die ganze Therapie ist nicht effektiv, wenn Gerda alle ihre Alltagsgewohnheiten beibehält und so gehört eine Lebensstil- und Ernährungsberatung zum ganzheitlichen Behandlungskonzept mit dazu. Gerda musste ein paar Dinge in ihrer Ernährung umstellen und hat mit Unterstützung ihres Therapeuten gelernt ihr Leben so umzugestalten das weniger „Spannungen“ herrschen. So konnte die Frequenz der Kopfschmerattacken von wöchentlich auf alle 2-3 Monaten reduziert werden.

Traditionelle Chinesische Medizin diagnostiziert rational und präzise

 Die chinesische Medizin hat also nichts mit esoterischen Ansätzen gemein. Die Herangehensweise ist sehr rational und präzise. In der Diagnose werden die einzelnen Symptome zu einem Bild zusammengefügt. Durch die Betrachtung der Gesamtheit erkennen wir die Wurzel der Krankheit die neben den Symptomen behandelt wird. Dadurch ergibt sich eine Behandlungsstrategie die beide Ansätze miteinander verbindet. Das Ziel ist daher die Heilung von Körper, Geist und Seele und nicht das ausschließliche Behandeln von Symptomen. Wie im Beispiel von Frau Schmidt mit Ihrer Migräne sind für Viele diese Ansätze der chinesischen Medizin erst einmal neu, aber sehr schnell einleuchtend und logisch. Vielen Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden wie Heuschnupfen, Bluthochdruck, chronischen Schmerzsyndromen u.v.m kann mit der TCM geholfen werden. Durch die genaue differentialdiagnostische Abklärung von Frau Schmidt konnte ein individueller Ansatz in der Behandlung gefunden werden. Rückblickend ist Frau Schmidt froh diesen neuen Weg eingeschlagen zu haben.

 

 

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