Migräne ist ein häufig auftretendes Beschwerdebild in einer Praxis für TCM (Traditionelle Chinesische Medizin). Sie wird als neurologische Erkrankung eingestuft und tritt bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Gekennzeichnet ist diese Erkrankung durch halbseitigen Kopfschmerz, der typischerweise anfallartig, pulsierend und wiederkehrend ist. Dazu können Verspannungen der Nackenmuskulatur, Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, oder Gefühlsstörungen auftreten. Manche Patiente*innen haben vor ihrem Migräneanfall eine Aura mit optischen und sensiblen Wahrnehmungsstörungen. Die Häufigkeit der Anfälle reicht von wöchentlich bis einmal alle 3 – 6 Monate.

Schulmedizinischer Ansatz

Im akuten Zustand werden unspezifische schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen und Paracetamol oder spezifische Migräne-Mittel aus der Gruppe der Triptane empfohlen. Bei einer Attacke häufiger als einmal pro Monat werden zur Prophylaxe Betablocker eingesetzt. Immer häufiger verordnen auch Ärzt*innen stattdessen Akupunktur, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobsen.

Yin und Yang

In der TCM gehen wir von zwei wesentlichen Polen aus: Yin und Yang. Diese zwei Pole sind einerseits Gegensätze (so verkörpert Yin die Nacht und Yang den Tag) und andererseits gehen sie in bestimmten Rhythmen ineinander über.
Dieser Rhythmus kann einen Tag dauern oder wie in den Jahreszeiten ein Jahr (Yang steht für Sommer und Yin für den Winter). Auch wir Menschen tragen diese zwei Pole in uns. Yin steht für alles Substantielle in uns, z. B. Knochen, Haare, Körpersäfte usw. – alles was wir an uns sehen und anfassen können. Yang steht für Energie, Kraft und Wärme, die wir fühlen können, wenn wir sie haben oder nicht. Anfassen oder sehen können wir den Yang-Aspekt nicht, lediglich die Auswirkungen. Im Wesentlichen wird Yin und Yang über die Ernährung aufgefüllt.

TCM Ausbildung nach Claude Diolosa am Avicenna-Institut in Freiburg

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Differentialdiagnostik der Migräne aus Sicht der TCM

Migräne gehört zu den Shao Yang- (Gallenblasen-) Erkrankungen. Dafür spricht die typischerweise halbseitige Symptomatik sowie die Lokalisation an den jeweils seitlichen Hemisphären des Kopfes. Normalerweise verläuft die Gallenblasen-Energie (Qi) abwärts (vom lateralen Epikantus des Auges (Gallenblase 1) bis zur 4. Zehe (Gallenblase 44)). Wenn die Hitze (Yang) in der Gallenblase rebelliert, kommt es zu einer Umkehrung des natürlichen Energieverlaufes, welche nun entlang der Leitbahn aufsteigt und zu einer Stagnation im Kopfbereich führt. Dies resultiert in den klassischen pulsierenden seitlichen Kopfschmerzen. In der Physiologie ist es die Aufgabe der Gallenblase, Energie durch ihre absenkende Bewegung den Verdauungstrakt zu unterstützen und den Nahrungsbrei vom Magen zum Dünndarm und Dickdarm zu transportieren. Durch diese pathologisch rebellierende Bewegung kann sich auch das Magen-Qi umkehren und zu Beschwerden wie Übelkeit oder sogar Erbrechen führen.

Differentialdiagnostisch ist es nun für die TCM-Therapeut*in wichtig, die genaue Ursache für diese rebellierende Bewegung des Gallenblasen-Qi mit aufsteigender Hitze (Yang) herauszufinden. Es wird hierbei zwischen Fülle- und Leere-Formen unterschieden. Die wichtigsten Formen möchten wir im Folgenden vorstellen:

1. Fülle Formen:

 

1. Gallenblasen-Qi Stagnation führt zu Hitze und zu aufsteigendem Gallenblasen-Yang.

Stress und innere Anspannung führen zu einer Kontraktion des Gallenblasen-Qi. Die Energie kann nicht mehr frei fließen und stagniert. Mit der Zeit entwickelt sich dadurch Hitze (Yang), die entlang des Meridianverlaufes aufsteigt und zu obengenannten Symptomen führen kann. Wir sprechen hier vor allem von einer stressbedingten Form von Migräne. Die Symptome bessern sich typischerweise in einer entspannten Umgebung wie zum Beispiel im Urlaub. Merkmale an der Zunge wären eine halbseitige oder randbetonte Schwellung. Der Puls wird gespannt sein (Xian Mai). Hier steht weniger die Ernährung, sondern eher eine Stressreduktion im Vordergrund. Vor allem eine Bewegungstherapie, wie Qi Gong, Tai Chi, Tanzen oder anderer Sport bringen das Qi wieder zum Fließen und können dadurch entspannend wirken.

Westliche Teemischung:
Pfefferminztee

Pfefferminztee in der Frühe lockert das Gallenblasen-Qi auf und kühlt eine eventuell daraus entstandene Hitze.

 

2. Primäre Gallenblasen-Yang Fülle führt zu aufsteigendem Gallenblasen-Yang.

Nahrungsmittel wie Lammfleisch, scharfe Gewürze, Knoblauch und Alkohol führen zu einer Überhitzung des Körpers und der Gallenblase. Die primäre Hitze entsteht aus einem Überschuss (Fülle) heraus und steigt entlang der Leitbahn auf in den Kopf. Diese meist männlichen Patienten haben häufig einen roten Kopf (aufsteigendes Yang) und leiden zusätzlich unter Symptomen wie Bluthochdruck, Übergewicht und Tinnitus. Starker Rotweingenuss kann hier einen Migräneanfall auslösen. Die Zunge ist sehr rot, typischerweise keilförmig und spitz. Der Puls wird beschleunigt sein. Bei dieser Form ist es deshalb besonders wichtig auf obengenannte Speisen zu verzichten. Ganz besonders auf Knoblauch und Alkohol da diese noch mehr innere Hitze produzieren. Besser verträglich sind Blattsalate, Rohkost, Artischocken und sogar Kaffee, da diese durch ihren bitteren Geschmack das Yang absenken und die Hitze ausleiten.

Westliche Teemischung:
Grüner Tee
Maishaar-Tee

Beide Sorten leiten innere Hitze und Feuchte-Hitze über die Diurese aus und haben so einen kühlenden und leicht blutdrucksenkenden Effekt. Dieser Tee sollte nicht abends getrunken werden.

Artischocken in der TCM

3. Gallenblasen-Wind-Schleim steigt auf in den Kopf und führt zu Stagnation und neurologischen Symptomen.

Befeuchtende Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Süßigkeiten, raffinierte Kohlehydrate (Pizza, Pasta, Brot, usw.) oder Bananen führen zu innerer Nässe und später zu einer chronischen Schleimstagnation. Diese erstickt und schwächt die Energie, speziell die des Verdauungstraktes. Wir sprechen hier von Milz-Qi Mangel. Sekundär führt dies zu einer mangelhaften Blutproduktion in der Leber, da keine guten Nährstoffe mehr ankommen. Diese Blutschwäche ist in der TCM eine Ursache für die Entstehung eines “inneren Windes” (Nei Feng). Dieser kann entlang des Gallenblasenmeridians aufsteigen und so den Schleim aus dem Verdauungstrakt mit hinauftransportieren. Da die Gallenblase zuständig für das Nervensystem und das Gehirn ist, ist dies eine sehr gefährliche Kombination und kann zusätzlich zu neurologischen Symptomen wie Schwindel, Parästhesien oder Sehstörungen führen. Diese Patienten sind zudem gefährdet, Erkrankungen wie Gefäßverkalkungen, Alzheimer oder sogar einen Schlaganfall zu erleiden. Diese Form zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sich die Beschwerden im Liegen verschlechtern und Symptome wie Übelkeit und Erbrechen stark im Vordergrund stehen. Die Zunge ist geschwollen, breit und hat Zahnabdrücke. Der Belag wir zäh und fadenförmig sein. Der Puls ist hier entweder breit (Da Mai) oder aber fadenförmig (Wei Mai).
Wie oben erwähnt, gilt es hier alle Nahrungsmittel zu vermeiden, die Nässe erzeugen können. Insbesondere vertragen diese Patienten keinen Milchkaffee! Dieser kann in diesem Fall sogar einen Migräneanfall auslösen.

Westliche Teemischung:
Artischockenblätter 0,5g
Wegwartewurzel 6g
Mariendiestelfrüchte 6g
Boldoblätter 6g
Odermenningkraut 6g
Mistelzweige/Blätter – 6g
Löwenzahnwurzel – 6g
Lindenbast – 12g
Zinnkraut 9g
Süßholz 3g

Diese Teesorten stärken den Verdauungstrakt und transformieren Schleim.

Die Behandlung von Migräne mit der TCM ist meist sehr erfolgreich. Wie immer bedarf es der richtigen Diagnostik.

 

2. Leere Formen

 

1. Leber-Blut-Mangel führt zu aufsteigendem Gallenblasen-Yang.

Eine Schwäche des Leber-Blutes führt sehr schnell zu einem Aufstieg der Hitze in der Gallenblase. Die meist weiblichen Patient*innen leiden häufig zusätzlich unter Blutarmut, trockener Verstopfung, brüchigen Haaren und Nägeln, trockenen Augen mit Lichtempfindlichkeit, trockener Haut und spärlicher Menstruation. Die Beschwerden sowie die Migräneanfälle verschlimmern sich während oder nach der Regelblutung, da hier das Blut zusätzlich geschwächt wurde. Die Patient*innen berichten häufig über eine Besserung der Symptome im Liegen und im Dunkeln. Das Blut fließt so in die Leber zurück, und die geschwächten und unterversorgten Augen werden nicht zusätzlich durch grelles Licht belastet. Die Zungenränder sind blass und die Zunge allgemein eher schmal und trocken. Der Puls ist dünn (Xi Mai). Hier reicht es häufig, das Leber-Blut aufzufüllen, um dadurch das Gallenblasen-Yang zu kontrollieren. Bittere Nahrungsmittel wie Kaffee, Blattsalate und grüner oder schwarzer Tee verletzten das Blut und sollten vermieden werden. Besser sind hier Kraftsuppen mit Hühnerfleisch, Trockenfrüchte und Nüsse.

Westliche Teemischung:
Goji Beeren Tee
Chrysanthemen Blüten Tee

Die Goji-Beeren nähren das Leber-Blut und füllen so den Yin-Anteil auf. Die Chrysanthemenblüten kühlen eventuell entstandene Hitze (Yang) auf eine sehr milde Art und Weise und wirken beruhigend auf die Augen.

 

Artischocken in der TCM

2. Nieren-Yin-Mangel führt zu aufsteigendem Gallenblasen-Yang.

Die Nieren-Yin-Mangel Form der Migräne kann durch die oben genannte Form mit Leber-Blut-Mangel ausgelöst werden und stellt als eine Fortsetzung eine sehr chronische Form dar. Die Substanz und die Körperflüssigkeiten (Yin) sind so geschwächt, dass der Yang-Anteil nicht mehr gehalten werden kann und es zu so genannten “Leere Hitze-Symptomen” kommt. Der Körper läuft buchstäblich heiß, da die “Kühlflüssigkeit” fehlt. Zusätzlich zu den Symptomen des Leber-Blut-Mangels leiden die Patient*innen deshalb auch Hitzewallungen, innerer Unruhe, Hitze in den Händen und Füßen, Schlafstörungen und eventuell einer Verminderung der Knochendichte. Die Zunge ist schmal, trocken und dünn. Der Puls ist dünn, leer und etwas beschleunigt. Zusätzlich zu den bitteren Nahrungsmitteln sollte hier auch auf den scharfen Geschmack weitesgehend verzichtet werden, da dieser das Yin (die Substanz) verletzt und die Ursache verschlimmert. Kraftsuppen (vor allem mit Knochen gekocht) und proteinreiche Ernährung nähren die Essenz und stärken das Yin.

Westliche Teemischung:
Lungenkraut 12g
Vogelknöterichkraut 12g
Spitzewegerichkraut 12g
Ackerminze 6g
Eibischwurzel 18g
Passionblumen 6g
Zinnkraut 12g
Süßholz 6g

Wir wünschen Ihnen eine gute Gresundheit!

TCM Ausbildung nach Claude Diolosa am Avicenna-Institut in Freiburg

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